© Manuela König / fundus.media

Geistlicher Impuls

Gemeinsam im Glauben wachsen

Sie halten die zweite Ausgabe unseres gemeinsamen Gemeindebriefs "Lichtblick" in den Händen. Seit Anfang des Jahres ist das Verkündigungsteam am Start und stellt sich in diesem Heft vor. Immer wieder werde ich gefragt, was sich denn nun noch alles verändern wird im neuen Nachbarschaftsraum. Wird meine Gemeinde und ihr spezifisches Profil erhalten bleiben oder werden wir uns im Miteinander auflösen? In der Bibel wird die Gemeinde immer wieder mal mit einer Pflanzung verglichen. Lassen Sie mich deshalb mit einem Bild aus der Botanik antworten.

Schon als Kind war ich es gewohnt im Garten zu arbeiten. Zeitweise habe ich als Schüler und Student sogar mein Geld damit verdient. Ich finde es immer wieder faszinierend, Dinge wachsen zu sehen. Es gibt so viele unterschiedliche Arten und Weisen, wie sich Pflanzen entwickeln. Keine zwei Pflanzen wachsen auf dieselbe Art, in derselben Geschwindigkeit oder in der gleichen Größe. Das Wachstumsmuster jeder Pflanze ist einzigartig. Das gilt auch für Gemeinden. Keine zwei Gemeinden werden je auf identische Weise wachsen. Gottes Absicht für unsere Gemeinden ist es, einzigartig zu sein und zu bleiben.

Anfang des Jahrhunderts haben wir bei einem Discountermarkt zwei Bambusstämmchen erstanden und sie vor unserem Haus in den Vorgarten gepflanzt. Als wir ein paar Jahre später einmal aus dem Urlaub zurückkamen, hatten wir zusätzliche drei Bambusbäume von mindestens drei Meter Höhe im Garten stehen.

Von allen Wachstumsmustern, die ich als Hobby-Gärtner beobachtet habe, finde ich das Wachstum des chinesischen Bambus am erstaunlichsten. Stecken Sie eine Bambussprosse in den Boden, und dann geschieht vier oder fünf Jahre lang (manchmal auch viel länger) nichts! Sie gießen und düngen, gießen und düngen - aber Sie sehen keinen sichtbaren Beweis dafür, dass irgendetwas passiert - Nichts! Aber um das fünfte Jahr herum verändern sich die Dinge ziemlich dramatisch. Binnen sechs Wochen wächst der chinesische Bambus auf die atemberaubende Höhe von fast drei Metern! Man kann fast zusehen. In meinem Lexikon steht, dass eine Bambuspflanze innerhalb von vierundzwanzig Stunden bis zu 90 Zentimeter wachsen kann. Es erscheint unglaublich, dass eine Pflanze, die über Jahre hinweg schlummernd in der Erde liegt, plötzlich explosionsartig wächst; aber genau das ist beim Bambus der Fall. Vielleicht kann das auch in unseren Gemeinden des neuen Nachbarschaftraums so geschehen. Das vor uns liegende Osterfest, das Fest der Auferstehung Jesu gibt uns dafür Hoffnung.

Denn Jesus Christus ist auferstanden von den Toten. Er wurde nicht einfach wieder lebendig wie vorher. Auferstehung ist eine andere Wirklichkeit als die bisherige. Nichts wird wie vorher – auch Christus nicht. Er lebt – aber in anderen Zusammenhängen. Er ist der alte mit den alten Wunden – aber anders. Er ist greifbar, berührbar – aber in einer anderen Qualität. Er begegnet seinen Jüngern wie früher – aber er ist der ganz andere. Damit wir verstehen, begreifen können, was Auferstehung heißen mag, brauchen wir Bilder dafür. Bilder dafür, dass nichts rückgängig gemacht oder gelöscht wird im Leben, nichts wird wie vorher. Und dennoch kann es neu und gut werden. Ein solches Bild, was Auferstehung bedeuten kann, ist das Kreuz. Ich erhoffe mir, dass wir in unserem neuen Nachbarschaftsraum zueinander finden und unsere Gemeinden zusammenwachsen, so wie Paulus es beschreibt: Versteht doch: Jedes Samenkorn, das gesät wird, muss vergehen, ehe neues Leben darauswächst. Und was wir säen, ist ja nicht schon die fertige Pflanze, sondern es sind nur Körner, sei es Weizen oder anderes Saatgut. Aus jedem Samenkorn lässt Gott eine Pflanze wachsen, die so aussieht, wie er es gewollt hat, und diese Pflanzenarten sind alle ganz verschieden. (1 Kor 15, 36-38) Ich hoffe, dass auch bei uns alles Neue gut wird. Ich wünsche Ihnen gesegnete, zuversichtliche und frohe Ostern!

Herzlichst Ihr und euer

Pfarrer Gerhard Schnitzspahn